Staphylokokken

(staph) Relativ thermo-, verdauungsenzym- und austrocknungsresistente Keime sind Staphylokokken. Sie sind gram-positive, fakulativ anaerobe (sind jedoch befähigt unter aeroben Bedingungen Cytochrome zu synthetisieren), nicht endosporenbildende, kugelförmige Bakterien. (staphyle=Traube, traubenförmige Zellaggregate) Ihre pathogenen Vertreter zeichnen ebenfalls verantwortlich für verschiedene Formen von Lebensmittelvergiftungen und Eiterbildung. Sie sind erkennbar an ihrer oft gelbe Pigmentierung (z.B. Staphylococcus aureus) und werden anhand serologischer Tests indentifiziert.

Koagulase-positive Staphylokokken (Staphylokokken aureus)

Definition und Basisinformation Staphylokokken sind grampositiv, werden mikroskopisch durch ihre paarige oder traubenartige Anordnung identifiziert und lassen sich kulturell leicht anzüchten. Die meist humanpathogenen Stämme sind nicht bekapselt. Staphylokokken sind gegenüber Umwelteinflüssen wie hoher Salzkonzentration, Temperaturen bis 50 °C oder Austrocknung sehr resistent. Zahlreiche biologisch hochaktive Exotoxine (Hämolysine, Leukozidin, Hyaluronidase, Nukleasen, Proteasen, Katalase, Lipasen u.a.) werden von Staphylokokken produziert. So wird das "Staphylococcal scalded skin syndrom" (SSSS, auch: Dermatitis exfoliativa [neonatorum], altes Syndrom: Morbus Ritter von Rittershain) durch zwei biochemisch und immunologisch differenzierbare Exofoliatine A und B ausgelöst. Das "(Staphylococcal) Toxic shock syndrome" (TSS) wird durch ein anderes Staphylokokken-Exotoxin verursacht. Dabei handelt es sich um ein nur von manchen Staphylokokkenstämmen gebildetes Protein mit dem Namen TSST-1 (toxic shock syndrome toxin 1). Verschiedene hitzestabile Enterotoxine (A-E) von Staphylokokken führen in vitro als Superantigene zu einer maximalen T-Zell-Stimulation und sind in vivo für Staphylokokken-assoziierte Nahrungsmittelintoxikationen verantwortlich.

S. aureus kommt ubiquitär vor und ist Bestandteil der normalen Hautflora (bei 30 % aller Menschen in Abstrichen von Nasopharynx und feuchten Hautpartien nachweisbar). Staphylokokken-Infektionen können von offenen Wunden oder Abszessen ausgehen, aber auch von asymptomatischen Trägern oder von kontaminierten Materialen übertragen werden. Dadurch entwickeln sich Infektionsketten in Familien, Wohngemeinschaften oder im Krankenhaus. Offene Wunden und Fremdkörper disponieren für eine Infektion. Besonders gefährdet sind Neugeborene, Immunsupprimierte und Patienten mit Granulozyten-Funktionsstörungen (z.B. chronische ["septische"] Granulomatose [CGD], Hyper-IgE-Syndrom).

Aufgrund langer Zeitabstände zwischen Besiedlung und Infektion kann die Inkubationszeit (besser Latenzzeit) von Staphylokokken-Infekionen von einem Tag bis zu Wochen und Monaten reichen. Intoxikationen durch Staphylokokken-kontaminierte Nahrungsmittel haben im Gegensatz dazu eine kurze Inkubationszeit von 30 Minuten bis zu wenigen Stunden.

Koagulase-negative Staphylokokken (KNS)

Es gibt mindestens 11 humanpathologische Spezies Koagulase-negativer Staphylokokken. Die am häufigsten nachgewiesene Art S. epidermidis wird (fälschlicherweise) auch als Synonym für die ganze Gruppe verwendet. Der Erreger S. haemolyticus spielt eine wichtige Rolle in der Neonatologie, S. saprophyticus kann Harnwegsinfektionen bei Adoleszenten verursachen. KNS weisen eine hohe Haftfähigkeit an Plastikmaterialien auf; viele Stämme produzieren Schleim, der die Bakterienkolonien vollkommen überdeckt. KNS sind ubiquitär auf Haut und Schleimhäut zu finden.